Kritik an Polizeimaßnahmen: Geschädigter Juwelier fühlte sich von Polizei allein gelassen

Symbolbild: Kritik an Polizeimaßnahmen | fsHH
Symbolbild: Kritik an Polizeimaßnahmen | fsHH

Grafing. Letzten Monat haben wir über Warnmeldungen unter Juwelieren und einen entscheidenden Hinweis berichtet, der letztendlich zur Verurteilung des Trickdiebes geführt hatte. Worin aber begründete sich die Kritik an den Polizeimaßnahmen? Wir haben bei der Polizei Oberbayern nachgefragt.

AW: Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord

Wie wir in unserem ursprünglichen Artikel vermerkten, haben wir zwei konkrete Fragen an die Polizei Oberbayern gestellt:

1. Welche polizeilichen Maßnahmen wurden kritisiert?

2. Gilt der Pressekodex nicht für die Pressemeldungen der Polizei?
[In der Berichterstattung der Polizei nannte diese konkret die Nationalität des Verurteilen. Der Deutsche Presserat legte im Pressekodex unter Ziffer 12 fest, dies sei nur dann statthaft, wenn es zur Erfassung des Sachverhaltes notwendig wäre. Letzteres ist hier nicht der Fall.]

Polizei verweist auf Artikel des Münchener Merkurs

Die Pressestelle der Polizei sendete elf Tage nach unserer Anfrage per E-Mail einen „Auszug der polizeilichen Presseauswertung“, einen Zeitungsartikel des Münchner Merkurs, zu, der die kritisierten Maßnahmen erläutert.

Kritik an Polizeimaßnahmen: Kein einsatzfähiges Fahrzeug?

Der Münchener Merkur berichtete bereits Ende 2015, dass der geschädigte Juwelier Michael Kiau nach dem Diebstahl die Polizei anrief, die ihm mitteilte, dass derzeit kein Fahrzeug frei sei.

Der Inspektionsleiter Hendrik Polte bestätigte dies gegenüber der Ebersdorfer Zeitung. Er führte an, dass zum damaligen Zeitpunkt die Kapazitäten wegen eines Suizidversuchs gebunden gewesen wären. Dieser Einsatz sei vorgegangen, weil zum damaligen Zeitpunkt noch nicht festgestanden hätte, ob tatsächlich etwas gestohlen wurde.

Polizei: Verkäuferinnen sollten zwei Diebe festhalten

Die Polizei wies damals an, dass die vier im Laden anwesenden Verkäuferinnen die Männer „bitteschön“ so lange festhalten sollten, bis die Polizei eintreffen würde. Der Inhaber Kiau war zu diesem Zeitpunkt nicht im Geschäft.

Dies wurde von Seiten der Polizei so bestätigt, jedoch beurteilt der Inspektionsleiter Hendrik Polte dieses empfohlene Vorgehen für „bedenklich und gefährlich“: Die Polizei rät in solchen Fällen immer, die Polizei zu rufen. „Da ist alles möglich.“ Auch Männer sollen keine Alleingänge wagen.

Polizei: Ausländisches Kennzeichen bringt nichts

Nach dem Vorfall im November 2015 fuhr Herr Kiau mit seinem Sohn zum Geschäft und sah tatsächlich noch einen der Täter vor dem Laden. Herr Kiau lief dem schwarzen Auto mit britischem Kennzeichen noch hinterher, in dem einer der Täter verschwand.

Das Kennzeichen des Wagens gab der Juwelier an die Polizei, die mitteilte, dass es nichts bringen würde; Es sei eine „ausländische Nummer“. Inspektionsleiter Polte hielt diese Aussage für „oberflächlich“; Natürlich sei die Polizei für jedes Fragment und jeden Hinweis dankbar. Was jedoch in diesem Fall herausgekommen wäre, wäre eine Halteranschrift im Ausland, die „akut“ nichts genützt hätte.

Juwelier behielt sich rechtliche Schritte gegen Polizei vor

Der geschädigte Juwelier hatte sich laut dem Münchener Merkur mit seinem Anwalt besprochen. Er behielt sich rechtliche Schritte wegen unterlassener Hilfeleistung vor: „Ich hab geglaubt, mir haut’s gleich den Schalter raus.“  Wir fragen bei Herrn Kiau nach, ob er danach noch rechtliche Schritte eingeleitet hat. Wir berichten bei Vorliegen einer Antwort nach.

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